Spiegelwelten:Adolais Tagebuch

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Dieser Artikel behandelt ein Thema oder ein geschichtliches Ereignis, das vor dem Dimensionscrash in Ozeanien oder der Alten Welt von hoher Bedeutung war.
Laut der veralteten Ozeanischen Zeitrechnung, die in entsprechend alten Artikeln vorkommen könnte, wäre heute Montag, der 22. April 1816.
Was sind die Spiegelwelten?OzeanienAlte Welt
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Hierbei handelt es sich um Ozeanien aus der Sicht eines Artkatrazers , nämlich Prinzessin Adolai, und damit temporär der einzige Pressendienst von Artkatraz.

Ozeanische Länder, die bereit wären, Adolai als Diplomat zu empfangen, tragen sich bitte hierein.

24.04.1801

Ungeliebtes Tagebuch,
bisher kennen wir uns noch nicht, und schon tu ich dir solch eine unfreundliche Anrede an, aber verzeihe mir, dass ich es aus Prinzip seltsam finde, einem Gegenstand positive Gefühle zu widmen. Bitte nimm das nicht persönlich. Zu lange habe ich in einem Gegenstand verbracht. Bestimmt möchtest du gerne wissen, was ich damit meine? Nun, um das wissen zu wollen, bist du ja da. Die Musen meinten, es wäre gut für mich, meine Gefühle und Gedanken jemanden anzuvertrauen, der mir in gewisser Weise auch zuhört. Damit ich nicht schon wieder irgendwann meine Emotionen an anderen Leuten auslasse. Später darfst du mehr erfahren.

Beginnen wir mit meiner Freilassung. Von einem unsäglichen Augenblick zum anderen stand ich da inmitten von Licht, in den Resten meiner zerborstenen Leinwand. Und da diese Musen. Erst denke ich, die wollen mich in ein noch engeres Gemälde versetzen. Immerhin haben die mir vor unzähligen Jahren lebenslang aufgehalst. Aber auch dazu kommen wir später.

Verstehe einer die Musen! Nach all den Jahren... lassen sie mich frei! Als ich nach dem Grund fragte, drohten sie mir, mich gleich wieder einsperren zu lassen, also habe ich ausnahmsweise mal meine Klappe gehalten. Ich verstehe das noch immer nicht, nicht mal ansatzweise. Aber die Musen versprachen mir, mir morgen mehr zu erzählen. Da ich diese Nacht nicht schlafen werde, kann ich mich so ganz dir widmen.

Mir fällt gerade auf, dass ich mich dir gar nicht vorgestellt habe! Ich darf das doch nachholen, oder?

Ich bin Adolai.

Prinzessin Adolai.

Das ist mein Name. Und mein leerer Titel, denn ich bin keine Prinzessin von irgendwas.

Und ich bin ... ich weiß es nicht. Es sind schon reale Menschen für diese Frage gestorben. Aber ich bin gerade nicht in Stimmung, darüber zu erzählen. Ich hoffe, du verstehst das. Danke.

Moment mal, in gewisser Weise vermag ich es doch, mich zu definieren:

Ich bin Prinzessin Adolai, ein Bildwerk aus Artkatraz

Anscheinend haben die Musen einmal seit ihrer Machtübernahme Recht: Schreiben tut gut.

25.04.1801

Ungeliebtes Tagebuch
Ja, ich bleibe bei dieser Anrede. Entweder haben die Musen mich mit irgendjemanden verwechselt, oder unsere Regierung hat einen Koplettdachschaden. Nicht nur, dass ich wieder auf Artkatraz wandeln darf, nun darf ich es auch.... naja woanders hin! Die haben mit im Ernst eine Genehmigung erteilt!!! Das heißt, ich kann als Bildwerk Artkatraz verlassen, ohne zu Staub zu zerfallen!!! Die Sache hat allerdings einen Haken: Ich soll als Diplomatin von Artkatraz fremde Länder bereisen und mich mit deren führenden Leuten unterhalten. Das klingt zwar spannend, aber ich vertrau den Musen nicht. Im besten Fall lügen die mit der Genehmigung nur und wollen zusehen wie ich fröhlich in den Tod renne. Andernfalls müssten die ein großes Vertrauen in mich hegen. Und dann werde ich mein Bestes geben. Denn eigentlich hasse ich jede Form von Streit und Gewalt. Ich bin so gut es geht eine friedliche Person.


26.04.1801

Ungeliebtes Tagebuch,
das wird ja immer besser! Die reinste Euphorie durchströmt mich, die Musen haben mir drei hilfreiche Dinge gegeben! Einen weißen Gesichtsschleier, den ich nie wieder ausziehen werde, meine Nagelfeile, die sie sicherheitshalber einst in einem separaten Bild von mir getrennt hielten, was nun ein großer Vertrauensbeweis ist, und einen schweren Beutel mit vielen kleinen hochkarätigen Diamanten, die nach Angabe der Musen die Menschen freundlicher werden lassen. Auf meine Frage hin, wie viel da drin ist, meinten sie: Soviel ich brauchen mag, aber nicht mehr.

Der Idiot, der die Musen gemalt hat, muss die lupercanischen Sagengestalten mit irgendwelchen Schicksalsgöttinen gemischt haben. Ja, du hast richtig gehört, die Musen sind Bildwerke, auch wenn sie das nur ungern zugeben.

Ich soll in wenigen Tagen abreisen. Das erste Ziel heißt Magica. Allerdings muss mir dafür erst ein Boot gebaut werden, das auch schwimmt. Das könnte für das Bereitschaftskommando mal eine richtige Herausforderung sein...

27.04.1801

Ungeliebtes Tagebuch,
heute habe ich zum ersten Mal in meinem Leben Artkatraz Stadt verlassen. Ich habe nur einene Bruchteil meines Lebens außerhalb dieser verdammten Galerien verbracht, und doch kann ich behaupten, dass selbst eingefleischte Städter jeden Tag aufs neue fasziniert sind von all den bunte Wolken zerfurchenden Häusern, die seit Jahren den Eindruck vermitteln, jeden Moment umzufallen. Unter diesen etlichen unmöglichsten Bildwerken müsste ich eigentlich alles andere als auffallen, auch wenn ich das skurrilste an mir unter meinem Schleier verstecke. Trotzdem machen die Artkatrazer einen weiten Bogen um mich. Grund dafür sind die eher unnetten Leute vom Bereitschaftskommando, die mich begleiten. Diese sind nicht etwa wie jeder andere Künstler mit Farbflecken übersät, die er stolz wie ein Kriegerveteran die Narben einer gewonnenen Schlacht schlägt, sondern sind in schwarze Exoskelette gezwängt. Hinter der modernen Technik der umherzoomenden roten Helmgläser beäugen wachsame Augen das eingeschüchterte Volk. An den unerwartetsten Orten verbrigt sich allerhand Malwerkzeug. Die Ausrüstung der BKs ist sowohl gut, um über die wackligsten Dächer fliehenden verbrecherischen Bildwerken hinterher zu springen, als auch, um diese in Rekordgeschwindigkeit auf Leinwand zu bannen. Zwischen den ungepflegten Barthaaren ragen lässig halb zerkaute qualmende Zigarren hervor. Das Bereitschaftskommando ist sowohl für seine eiserne Untergebenheit zu den Musen als auch für ihre unerträgliche Arroganz bekannt. Die bohrenden Blicke prasseln auf mich, die von diesen Kerlen auf obersten Befehl begleitet wird. Mit dem Begriff Diplomat könnten die Artkatrazer aufgrund der fehlenden Außenpolitik wohl noch nichts anfangen. Aber dieses Gefühl, dieses so im Mittelpunkt Stehen, ist gewöhnungsbedürftig wie süchtig machend. So treten wir vor die Stadttore, einige BKs fangen sofort an etwas zu kritzeln, Transportbildwerke. Routiniert zerhäckseln sie ihre Malfläche mit einer kleinen Kettensäge und allerhand seltsame Kreaturen tauchen vor uns auf. Ich werde zusammen mit zwei anderen auf eine Art sechsbeinige stachlige Ziege gesetzt, die sich mit den überdimenionalen gebogenen Hörnern steuern lässt. Mir gelingt nicht meine Abneigung gegen über diesen Viech zu verbergen, als wir damit durch die Gegend rattern. "Hay nichts gegen mein Goat-Ride, das ist mein Lieblingsbild! Halt dich gut fest, dieses Ding ist nämlich das schnellste was ein Tier mit Beinen nut sein kann. Räder sind nämlich was für Verlierer." Der Steuermann gibt der zu groß geratenen Ziege einen Ruck und es beginnt sofort die sechs Beine in einem komplizierten Laufmuster schneller zu bewegen, der Schleier fliegt mir beinahe davon, der Rest meiner Begleitung verschwindet hinterm Horizont und das Gras das wir passieren fängt Feuer. Nachdem alle kotzbedürftigen am Ziel, der Küste abgeladen werden und auch die langsamsten Eliten nachgerückt sind, beginnen die BKs mit der Planung. Man redet von Holzbeschaffung, vom Abdichten und von Splittern...
"Warum malt ihr nicht einfach ein Boot?", frage ich schließlich.
"Willst du nass werden? So ein Bildwerk löst sich doch sofort auf!"
"Aber die Musen könnten dem Boot doch eine Genehmigung geben..."
"Die Musen werfen aus Prinzip nicht einfach so mit Genehmigungen um sich, Kleines."
Kurze Zeit später rasen einige BKs schon auf ihren Bildwerken zu nahegelegenen Wäldern, andere kritzeln Baupläne in den [[Sand] und alle sehen sehr gestresst aus. Nur mir haben sie mir für den kurzen aufenthalt ein kleines Haus mit runden Fenstern gemalt, aus dem ich das gschäftige Treiben beobachte. Die Männer sehen alles andere als gut gelaunt aus. Einige haben sich tatsächlich bereits Holzsplitter zugezogen und ich weiß, dass sie geistig mich dafür verantwortlich machen. Es wird dunkel, die BKs präsentieren mir einen mitleiderregenden Bretterhaufen, dem ich keine Sekunde auf der Wasseroberfläche zutraue. Die BKs zucken nur mit den Schultern, rufen ihre Tiere vorerst in die Bilder zurück (mir wird verraten dass es sich bei dem Goat-Ride in Wahrheit um ein Reptil handelt) und malen sich Häuser in denen sie verschwinden. Auch für mich sollte langsam Zeit sein, mich zurückzuziehen. Gute Nacht!

Nachtrag: Das mit dem Schlafen geht schlecht, einige BKs waren anscheinend in der Lage, trinkbaren Alkohol zu malen, und was Singen betrifft ist das Bereitschafkommando so primitiv wie wir Artkatrazer beim Schiffbau.

28.04.1801

Ungeliebtes Tagebuch,
Die Aufregung draußen lässt mich den Schlaf aus den Augen reiben. Die vom Bereitschaftsommando haben auch allen Grund, aufgeregt und laut zu sein: Ihre Arbeit vom Vortag ist weg, stattdessen liegt da nur ein größeres überdachtes Boot im Gras. Die Planken sind aus einem weißen Holz geschnitzt, das ganze Gebilde ist schlicht und einfach nur perfekt. Ein Künstler richtet eine Art Laser darauf. Mit einem schrillen Piepen leuchteht ein kleines Lämpchen blau auf. Der Elite lässt den Laser sinken. "Es ist echt.", verkündet er grimmig. "Kommt mal rüber hier steht etwas!" Die schwarzen Männer scharen sich um die Fundstelle. Irgendjemand hatte irgendwie Schriftzeichen in den Boden gesengt:
Zwingt uns ja nicht wieder zu helfen, aber wir können uns eine Verzögerung eurer Dummheit wegen nicht leisten. Also haben wir euch mit unserer Macht ein wenig nachgeholfen, aber glaubt ja nicht, dass ihr euch erneut derartig auf uns verlassen könnt! gez. die Musen
Die ersten BKs beginnen spontan auf die Kniee zu fallen und leise murmelnd um Verzeihung für ihre Dummheit zu bitten, als wären die Musen da, bis ein leiser Choral aus brabbelnden Idioten entsteht.
Die kleine Nachhilfe erweist sich als perfekt. Leicht genug, um von den Eliten zu Wasser getragen zu werden und dennoch stabil. Und hübsch ist es obendrein. Den BKs scheint es alles andere zu gefallen, weil sie mit Rudern für den fehlenden Motor einspringen müssen. Schon bald übergeben wir uns und das kleine weiße Schiff den Fluten und starken Armen nach Magica.
Die Laune der BKs ändert sich wenig - bis sie feststellen müssen, dass sie vergessen haben, dass ihre protzige Technik und ihre schwarzen Rüstungen falsche Bildwerke sind und damit verschwinden. So sitzen die Eliten von Artkatraz aufeinmal in Zivil vor mir da. Selbst ihre Nikotinversorgung ist ins Nirvana gewandert. Da beginnt einer, seine schlechte Laune beim Rudern an mir auszulassen. "Einen Schleier trägst du nun, was? Wie niedlich. Willst wohl nicht dass die ganzen Leute dich wirklich sehen, Prinzessin. Kann ich dir nicht verübeln. Ich musste dich ja damals malen. Bah. Dass ausgerechnet du Bildwerk diesen Job bekommst..."
Er spuckt verächtlich ins Meer.
So ein Schleier ist zu vielen Dingen gut. Er verbirgt Dinge, die niemand sehen soll. Auch Tränen. Hoffentlich hat dieses tumbe blaue Wasser Mitleid mit mir. Einmal in Magica sollte ich das Bereitschaftskommando so schnell nicht wiedersehen. Allerdings bin ich dann vollkommen auf mich allein gestellt...

29.04.1801

Ungeliebtes Tagebuch,
Die vom Bereitschaftskommando bin ich fürs erste los. Oder sie mich. Nachdem sie mich an einem Strand im Westen Magicas abgesetzt haben, verschwinden sie mit dem Schiff wieder schnell im Wasser, bevor sie noch jemand in Normalokleidung sieht. Nun beginne ich recht planlos aus dem Sand heraus zu waten und nach Leben zu suchen. Mein erster Fund ist ein sprechender Krebs der mich beschimpft und in den Fuß zwickt, nachdem ich versehentlich gegen so einen seltsamen Stein getreten habe. Der zweite ist eine atemlose Brieftaube, die sich von ihrem Flug nicht abbringen lässt. Den dritten erspähe ich in der Ferne, ein Mensch, ein Mann, der sich vor Sonnenscheibe und Baumkronen in mein Blickfeld schiebt. Ich fange an, meine ausklappbare Artkatrazfahne aus meiner Handtasche hervorzukramen und schwenke schon fast damit, bis ich merke, dass der Fremde direkt vor mir steht.
„Wie habt ihr das gemacht?“, will ich wissen. Die Züge des Mannes mittleren Alters gleiten in ein freundliches Lächeln. Von der Nähe aus ist seine formelle Aufmachung zu sehen. Er trägt einen schwarzen Anzug mit Krawatte.
„So wie ich das hier gemacht habe, Diplomatin Adolai.“, erklärt mir der eher unmagisch anmutende Magiker, schnippt uns woanders hin. Es ist eine einsame Landstraße inmitten grüner Wiesen die an noble Wälder grenzen.
„Woher kennt ihr meinen Namen?“
„Ich habe euer Kommen vorrausgesehen. Warum euch dann warten lassen? Wir kriegen doch so selten Besuch hier.“
„Artkatraz sendet auch selten Dipomaten aus, eigentlich nie.“, versuche ich mitzureden,
„Doch wer seid ihr wenn ich fragen darf?“
„Ich bin Adelo Braaten , Präsident Magicas, das noch viel mehr zu bieten hat als ihr hier seht. Eine halbe Meile entfernt ist die nächste Schwebebahnstation, Lust auf einen Spaziergang? Euer Wappen da habe ich übrigens noch nie gesehen. Ihr solltet mir noch einiges über dieses Artkatraz erzählen...“

2.05.1801

Ungeliebtes Tagebuch,
zuerst einmal: Bitte bitte sei mir nicht böse, weil du in den letzten Tagen so uninformiert herumstauben musstest, aber selbst aus meinen vertrauten Schriften an dich kannst du unmöglich glauben dir der Härte des Diplomatenberufs bewusst zu sein. Es ist zwar faszinierend, das Bereisen fremder Länder, Magica hat mir da bisher einen sehr guten Eindruck gemacht, aber gleichzeitig wollen alle irgendetwas von mir. Wieder und wieder muss ich Magikern die Regeln der Aura erklären, ich muss auf sämtliche negativen Emotionen verzichten damit Artkatraz in einem guten Licht vertreten ist, doch am kompliziertesten ist allerdings die Weiterfahrt. In den zahlreichen Bibliotheken sah ich zum ersten Mal Landkarten, die über den kaum bewohnten Fleck Artkatraz hinausgehen. Diese Welt ist, sagen wir mal, verdammt groß und umfasst viele, viele Länder. Und das allein Ozeanien. Als man mir zusätzlich Karten der Alten Welt zeigte, traf mich der Schock, bis ich mir in Erinnerung rief, dass meine Reise fürs Erste nur Länder Ozeaniens umfassen soll. Als ich die Bibliothekare danach fragte, wie ich auf der Ozeanienkarte nur die Reiseroute eintragen soll, starrten sie mich an, als hätte ich vorgeschlagen ihre Familien für Souvenierartikel einzutauschen. Tatsächlich hüten die Bibliothekare ihre Bücher wie einen Schatz. Nicht einmal Ausleihen durfte ich mir die Karte, nur im Gebäude selbst ansehen. Diese erschreckend vollkommene Ruhe da drin habe ich alleridngs nicht ertragen können. Derartige Stille tut ja fast in den Ohren weh. Also habe ich tagelang solange gefragt, bis mir die Bibliothekare doch eine persönliche Kopie anfertigten. Ich entschädigte sie reichlih dafür. Obwohl die Magker sich doch alles herzaubern könnten (glaube ich), könnensie was mit den Diamanten anfangen. Das könnte vielleicht daran liegen, dass sie als einzige von violetter Farbe sind. Dazu haben sie mir gleich mehrere weniger wertvolle Schmöker mitgegeben, die über die anderen Länder erzählen. Es mag zwar falsch klingen, sich Wissen und Vorurteile aus Magica dabei zuzuziehen, aber ein gewisses Grundwissen kann mir nciht schaden. So hätte ich beinahe schon eine Route nach Saga per Seeweg geplant, dabei ist dieses doch von dieser ienen Mauer umgeben... Nun kann ich in der Ruhe, wie ich sie mir bestimme, in meinem Hotelzimmer die Weiterfahrt planen. Nach und nach sollten hier auch erste Antworten und Zusagen eintrudeln. Die Magiker vermiteln mir einen sehr lockeren Eindruck, locker, das heißt, abgesehen von der durch Magie begünstigten Kriminalität scheint Magica mittlerweiel ein recht sorgenfreies Land zu sein. Auch mit dem neuen Nachbarn Artkatraz wird sehr locker umgegangen. Kann sein, dass mir da nur was vorgemacht wird, aber angenehm ist es allemal.

13.05.1801

Ungeliebtes Tagebuch,
zuallererst tut es mir leid, dass ich nicht rechtzeitig drauf gekommen bin, das es sehr sehr dumm ist, auf dem Deck an dir zu schreiben, aber ich wollte nur einmal meiner recht stickigen Kabine entfliehen. So habe ich zu spät gemerkt, dass sich empfindliche Seiten und ein unberechenbarer wellenschleudernder Seegang alles andere als vertragen. Wellig ist nun dein Papier, salzig riechst du und mehr als eine Woche Erinnerungen waren nicht mehr zu retten und sind dir somit vom Meer aus deinem blättrigen Gedächtnis für alle Zeit ausgefräst worden. Um das verlorene Stück Leben wiederherzustellen fehlt es mir allerdings an Zeit und Motivation. Das mag zwar sehr egoistisch klingen, aber ich lasse mir nicht von einem Tagebuch befehlen, was ich tun soll! Hierbei erwähne ich, dass ich auf keinen Fall ein Tagebuch sein will...
Nun, die Zeit verstrich wie der Flug einer Möwe die sich auf den Schiffen der Seeleute erleichtert. Erst bestaunt man sie lange Zeit, wie sie majestätisch verfliegt, und dann will man das irgendwie nicht ganz wahrhaben und darf die Konsequenzen wegschrubben. Wenn man als Prinzessin nicht einmal danach gefragt wird, das wegzuwischen, ist das mit der Zeit schon eine ganz andere Sache. Dann schießt man die Möwe ab und gut ist, meine Lunge hat die salzige Luft allmählich satt. Das Leben muss ja irgendwie nach gewissen Wunschvorstellungen weitergehen.
Seitdem ich auf dem Deck schon einmal fast über und über mit Meerwasser bespritzt wurde, verlasse ich kaum mehr die trockenen Eingeweide des Schiffes, da Wasser meinen Schleier durchsichtig macht... und ein wenn auch nur temporär durchsichtiger Schleier erfüllt irgendwie nicht seinen Zweck. Also mauerte ich mich sozusagen in meiner Kabine ein und tat das, was selbst Götter tun würden, wenn ihnen über all die Äonen Fingernägel wachsen und jene erst existieren würden – feilen. In dieser höheren Beschäftigung entging mir allerdings nicht, wann die Krähe „Land in Sicht!“ schrie. Sagen wir mal, mit der Sicht ist das bei mir so eine Sache.
Als mir das permanente Geschaukel der Galeone harmlos genug schien, wage ich mich nach Tagen wieder heraus und blinzle in das blendende Sonnenlicht hinein. Ein bunter Leuchtturm des Hafens kommt immer näher. Einige Ostfriesen malern gerade daran, unter einem unfertigen Ostfrieslandwappen ist noch leicht die Visage ihres gestürzten Diktators zu erkennen, die mehr und mehr unter den heiteren Farben verschwindet. Sobald die Maler uns bemerken, wird hastig darunter in großen freundlichen Buchstaben ein „Wilkommen!“ darunter gepinselt. Irgendwie niedlich anzusehen wie es hier noch Maler gibt, die ihr Werk nicht zu fürchten brauchen und sich von ihrem Perfektionismus hetzen lassen wie in Artkatraz. Am Kirchdorfer Hafen hat sich eine bunte Volksmenge gebildet, die eifrig ihre Hälse nach dem ausländischen Schiff reckt. Da besinne ich mich meiner Diplomatenpflicht, der artkatrazischen Politik zu dienen, stelle mich auf den Bug, damit mich auch alle sehen können, und winke...

18.05.1801

Ungeliebtes Tagebuch
, Ich kann es wieder und wieder nicht lassen, gegen diese verdammte Scheibe zu klopfen, obwohl ich gerade davor Angst habe, nämlich dass das Glas dadurch reißt. Ich weiß, dass meine Ängste gegen alle Logik sind, und dennoch empfinde ich diese. Wenn der Druck etlicher Milliarden Kubikmetern Salzwasser dieses Glas nicht zerschmettert dann ich umso weniger. Trotzdem klopfe ich hin und wieder nach, um mich zu vergewissern, ob das Glas noch da ist, so kristallklar ist es. Bei jedem vorsichtigen Klopfen ertönt nicht etwa ein stumpfes "Plonk" sondern ein glockenklares "blinnh". Ok, wenn mann versucht diese Geräusche in irgendwelche Zeichen zu fassen, schaut das wirklich recht dämlich aus. Aber was solls? Es ist ja nicht etwa so, dass jemand anderes als Ich diese Zeilen zu lesen bekommt. Die Alternative will ich mir gar nicht erst vorstellen. Es wäre auf jeden Fall erschreckend wenn meine persönlcihen Gefühle von irgendwelchen fremden Leuten gelesen werden!
So aufwändig meine Kabine auch geschmückt ist mag ich mich seit ich in dieses Ding erst gestiegen bin nicht mit dem Gedanken anfreunden, bergeweise Wasser über mir zu haben, absolut nicht. Zu meinem Glück haben sie bei der Innenausstattung auf Seesterne und dergleichen verzichtet. Solches maritimes Zeugs kann ich schlicht und einfach nicht leiden. Anstatt wie erwartet einem Fischrestaurant finde ich eine warme luxuriöse Einrichtung vor, mit roten weichen Teppichen und hölzerne Tischen mit einem dunkelbraun darin wie alle dunklen Gedanken eines großen mächtigenn Baumes. Ich frage mich, wo die Fischmenschen das alles nur herhaben. Dieser warme Stil wurde geschickt mit den kalten geschmeidigen Farben dieser Unterwasserkultur kombiniert.
"Ptok!" das war die Tür, oder eher ein Besatzungsmitglied des U-Bootes, das ich hereinließ. Der Fischmensch trug abgesehen von einem Tablett mit dem reinsten Wasser Ozeaniens nur einen Lendenschurz. Trotz der Schuppen war die azurblaue Haut des Fischwesens glatt und ohne Falten oder ähnlichem. Da er die selbe Luft wie ich ohne Atemgeräte inhaliert gehe ich davon aus, dass mein Gegenüber neben Kiemen auch eine Lunge besitzt. Die Gesichtzzüge vermitteln zugleich heimatliche Herzlichkeit wie das Gefühl in einem völlig fremden Universum gelandet zu sein. Ich versuche mir logisch zu erklären, wie die Evolution nur ein derartig menschliches wie fremdartiges Wesen hervorbringen konnte, und scheitere.
Ich blicke meinem Atlantaquaaufenthalt mit Neugier entgegen. Ja, in Artkatraz sheint ja auch alles fremdartig, aber dieses Reich könnte eben das nur auf eine andere Weise sein und eine intessante Abwechslung bieten.

Ich nicke dem Fischmann dankend zu und lass das Glas unter meinem Schleier verschwinden.

19.06.1801

Ungeliebtes Tagebuch,
das Meer. Es ist groß und lastet mit all seiner titanischen Schwere auf mir, wie ein Mantel, der mich von der Außenwelt abschirmt... Mein einsames Seufzen wird von einem vorsichtigen Klopfen niedergestreckt.
Ich bitte herein. Es ist ein Fischmann. Das Wasser das von ihm auf den guten Teppich tropft lässt mich darauf schließen, dass er erst eben "draußen" gewesen war. "Brllgh vlghr .... Rrllllg!", gurgelt er verlegen, und räuspert sich einige Male, bis auch alles Wasser aus den Luft-Sprachorganen geprustet ist, "Verzeihung. Post für euch, Prinzessin!"
Er reicht mir einen wasserdichten Beutel, winkt höflich und lässt mich wieder allein. Zwei Briefe sind es, die ich darin finde, beide sehr sehr förmlich und von höchster Wichtigkeit. Ein Brief springt mir sofort ins Auge, oder eher gesagt er starrt mich aus den vier Augen der artkatrazischen Flagge an. Irgendwie kann ich nicht anders, als diesen zu öffnen. Es sind geheime Anweisungen von oben, an mich, in säuberlicher Handschrift geschrieben:

Grüße aus Artkatraz, Diplomatin Adolai!
Zuallererst loben wir einmal ausdrücklich deinen Auslandseinsatz. Doch nun genug der Lobe.
Der nächste Brief, den du lesen wirst, ist aus dem geschätzten Ostfriesland. Frag nicht, woher wir das alles wissen. Wir wissen vieles. Es geht darum, einem gewissen Gerhard Lubersko Ebel die Einreise nach Artkatraz zu genehmigen. Du kennst ihn bestimmt als den nicht funktionierenden ehemaligen Diktator Frieslands.
Deine Unterschrift im Namen von Artkatraz wird erwartet. Unterschreibe und versichere Ebel einen angenehmen Aufenthalt in Artkatraz, den er auch haben wird. Vorerst. Was mit Schurken wie ihm geplant ist, haben wir dir ja bereits einmal erläutert. Versprich Ebel unsere Gastfreundschaft. Und enttäusche uns ja nicht. Aufdass sehende Augen Artkatraz lenken,
-die Musen.

Diesen verdammten Satz mit den sehenden Augen verstehe ich nicht ganz. Prinzipiell muss und kann man nicht alles verstehen, was von den Musen kommt. Ich werfe einen Blick auf den zweiten Brief. Er ist tatsächlich aus Ostfriesland. Ich versuche nicht darüber nachzudenken, woher die Musen dieses Wissen haben. Je mehr ich über die Herrscher Artkatraz nachdenke, desto mehr Kopfschmerzen macht mir das, daher versuche ich Denken ausnahmsweise möglichst zu vermeiden. Abwesend falte ich das ostfriesische Papier auf. Alles genau so, wie die Musen es beschrieben, nur ausführlicher. Ganz unten sehe ich die Unterschrift Ebels, wie sie sich schnörkelig auf dem Papier reckt. Ich setze die meine daneben. Bald geht dieser Spund dahin zurück, wo es hergekommen ist. Ich lehne mich tief in einen Sessel und grinse traurig unter dem Schleier. Das ganze hatte ich mit Präsident Lightening ausführlich besprochen, als wir uns vor den Reportern ungesehen fühlten. Ob er sich sein Grinsen verkneifen konnte, als Ebel darauf hereinfiel?
Fies von uns, einfach nur fies.
Der gefallene Führer wird in Artkatraz einen wahrhaft königlichen Aufenthalt genießen.
Mir tut der arme Kerl jetzt schon leid.


21.05.1801

Ungeliebtes Tagebuch,
ja, wie lässt sich eine Unterwasserstadt beschreiben? Bis das U-Boot andockte war es nur nur als große Warze des Meeresbodens zu erkennen, einige Meilen trübes Meerwasser weniger muss ich mich entscheidend korrigieren: Große titanische helle Kuppel am sandigen Meeresgrund, die einem Stern gleich strahlt, unter dem vielen schwarzen Wasser überirdisch hell wie ein Tor zu einer anderen Welt. Der Kapitän beherrschte seine Tätigkeit so gut, dass das Unterseeboot bei keiner der etlichen Schleusen wackelt. Aus dem Fenster starren mich die Spiegelbilder von meterdickem Glas fasziniert an.
Ich komme nicht drum herum, Atlantaqua mit Atkatraz zu vergleichen. Die einzigen Unterschieden bestehen darin, dass sich hier die Sonderbarkeit nach einem bestimmten Thema richtet und damit nicht so chaotisch wirkt. Dazu hätte wohl jeder Oberirdische Architekt bei dem Anblick der hohen futuristischen Gebäude einen Ohnmachtsanfall gekriegt, mit dem Wort „modern!“ oder einem unaussprechlichen Fluchwort auf den Lippen. Große gläserne Wasserröhren dienen als Nahverkehr. Im Schwimmen ist jeder Atlantaquaner schneller. Auch in Sachen Bekleidung lässt die Unterseekultur viel Spielraum. Die Fischmänner stellen am Oberkörper durch Leistungsschwimmen antrainiertes unbedeckt zur Schau, von einigen in die Schuppen einfassten Diamanten abgesehen. Außerhalb der Luftkuppel lassen sich Fischer und Freizeitschwimmer erkennen.

Die Atmosphäre ist von schummrigem Licht getränkt, das aus den wässrigen Adern der Stadt dringt, Schläuche, in denen sich kleine Leuchtfische tummeln und in etlichen Glaskugeln fluoreszierende Kugelfische vegetieren. Grüne, blaue und gelbe Lichter erhellen die Stadt des ewigen Abends. Das ganze gleicht der Mischung einer gigantischen utopischen Parkanlage, einer Zukunftsstadt und einem Laboratorium, nein Aquarium...

Kurz: schöne Gegend und auch sonst der ganze Ablauf nicht ungewöhnlich. Noch.

Wenige Stunden später sollte ich wegen eines schrecklich dummen Unfalls Thema des Aquaboten sein.

Ich nahm an einem Festbankett im Regierungsgebäude teil und ahnte noch nichts böses, sprach mit einigen Fischmenschen und probierte hier und da. Es gab alles – nur keinen Mangel an Fisch. Als ich mir gerade ein Lachsbrötchen reichen lassen wollte, da kamen die Kellner und verstreuten ihre Drinks. Aufgrund meines Unwissens über Atlantaquanische Getränke gebe ich als Bestellung „Ach einfach irgendwas“ an. Ein Fehler, wie sich herausstellen sollte. Mir hätte schon etwas dämmern sollen, als mich die Atlantaquaner so seltsam ansahen, als ich die bläuliche Flüssigkeit hastig trank. Schmeckte nach einer Art Spirituose. Hm. Ich versuche das Brennen im Rachen zu ignorieren und nicke höflich, damit sie ja mit diesen schiefen Blicken aufhören.

Wenig später allerdings begann das ganze irgendwie seltsam zu werden. Ich hatte eigentlich nicht so viele Lampen bemerkt, die solche Farben erzeugen konnten. Über dem Bankett schwebte lila Luft. Da das außer mir aber keiner zu bemerken schien, bleibe ich still, während mich dieses leichte Gefühl da überkommt. Auf einmal fühlte ich mich komplett anders, spürte den Frieden in den Herzen aller Individuen. Das lila wurde greller. „Kann wer nicht mal diese Lichter ausmachen?“, beschwerte ich mich und hörte mich mit leichtem Erstaunen lallen.

Die Fischleute gucken verwirrt, was ich als sehr unverschämt empfinde. Da verzerren sich die Atlantaquaner und wurden zu einer Art violette Plesosauri die mich anbrüllten. Aus irgendeinem Grund fand ich es sehr logisch zurückzufauchen. Von allen seiten stapften die frechen Biester auf mich zu. Ich hielt es für das Beste, den Tisch zu einer Art Barrikade umzukippen und mit Stühlen nach den Viechern zu werfen. Einige Instikte nehmen mir dabei viel Arbeit ab. Eine Art überdimensionale Schildkröte landet schnell auf ihrem Rücken, ein so ein grüner Osterhase der mit so einer Flasche auf mich zukommt, bekommt mit meinen messerscharfen Fingernägeln schnell was verpasst und weicht zurück. Ich wehre mich einer Furie gleich gegen diesen bunten Zoo. Die meisten schrägen Tiere suchen schnell das weite während ihnen noch einige Gegenstände hinterherfliegen. Schließlich überwältigen mich zwei rote Teufel, damit mir der Osterhase dieses Zeug da einflößen kann. Sofort breitet sich die Schläfrigkeit in mir aus. „Welcher Trottel hat der Diplomatin den Spezialschnaps serviert?!“, ist das letzte, das in meine Ohren dringt.

Als ich wieder zu mir komme hoffe ich, dass das ganze nur ein Traum war. Ein etwas mitgenommen aussehender Fischmensch erklärt mir das Gegenteil. Meine Kehle wird sofort trocken und ich ahne schlimmes. Auf meinen schockierten Blick hin ergänzt mein Gegenüber, dass dabei niemand umgekommen ist. Außer Vandalismus und leichter Körperverletzung hätte ich nichts weiter begangen. Ich seufze erleichtert und muss meine Entschuldigungswell unterbrechen lassen. „Wir sind es, die uns entschuldigen müssen, Prinzessin. Der Schnaps, der ihnen serviert wurde, ist schon für Atlantaquaner tödlich. Wir brauen ihn nur für den Export an die Menschen. Allerdings seid ihr ja kein Mensch, wie ich gehört habe. Das ganze tut uns schrecklich leid. Ach übrigens ist soeben ein Brief für euch angekommen!“
Als ich das vieräugige Wappen artkatraz darauf erkenne, wundere ich mich kein bisschen. Das hatte ich irgendwie schon erwartet.
„Schau besser zu, dass du in Zukunft besser aufpasst, was du zu dir nimmst, Prinzessin. Erspare uns weitere Schande.“


25.05.1801

Ungeliebtes Tagebuch,
Die übrigen Tage in Atlantaqua verflogen wie der freie Fall einer fetten Eulummel, und so durfte ich mich schon wieder von den schüchternen Fischleuten verabschieden. Die ungeklärten Geheimnisse um die Atlantaquaner (Wo haben die ihre Möbel her, woraus bauen sie ihre Häuser und woher haben die diese verdammt riesige Stadtumfassende Glaskuppel?) werden wie der ein oder andere artkatrazische Diamant unter dem Meer bleiben.
Mit dem königlichen Express-U-Boot, das mir die Fischregierung verlegen aufdrängte, verschlang die weite Reise von Atlantaqua nach Castell-Burgein keinen halben Tag. Die Sonne saß träge in ihrer Mittagsposition als mich das U-Boot an irgendeinem Fluss absetzte und blubbernd wieder in seine Tiefen verschwand.

Erste Eindrücke überfallen mich: Lange vermisstes Tageslicht, verirrte Pollen, Blätter, Spinnenweben, hungrige Wölfe. Die haarigen Biester treiben schneller als es ihren lieb ist leicht benommen im Fluss davon. Wolfsschaschlik klingt für mich im Vergleich zu tagelangem Fisch nicht gerade unapettitlich, aber dann fällt mir doch ein dass die Einwohner einem auch immer gern was servieren. Apropos Einwohner, welche Einwohner?!? Ich sehe nur Botanik die ihren Frust an Wanderern auslassen will und nicht einmal ansatzweise von Infrastruktur in ihre Schranken verwiesen wird. Jetzt bin ich hier mitten irgendwo im Nirgendwo und darf allein nach Zivilisation umherforsten. Zu Fuß. Hmm... Ich denke nach, sehe zum Fluss, die Wölfe sind leider doch schon weggespült. Mist. Ratlos laufe ich auf und ab, trete hier und da Steine ins Wasser. Na toll.
Ich setze mich auf einen Fels und gehe noch einmal die Situation durch. Hatte der U-Bootkapitän vielleicht doch irgendwelche geographischen Informationen durchsickern lassen?
Eine Flasche treibt auf mich zu. Schon von weitem kann ich deren violettes Glas erkennen. Zügig fische ich das Ding aus dem Strom, zerschlage es in viele kleine Scherben und fange das davonwehende Stück Papier auf. Die vier Augen des artkatrazischen Wappens starren mich durchdringend an, bis ich den Brief auffalte, einmal tief durchatme und die Botschaft darin auf mich wirken lasse:

Da lang.

Neben der zierlichen Schrift prangt eine Art Pfeil. Er zeigt nach da. Sinnloser konnte das nicht sein. Diesmal überfällt mich schon die Skepsis. Was, wenn ich an einer ganz anderen Stelle stehen und das Papier anders halten würde?

Tust du aber nicht. Enttäusche uns ja nicht.

Aufdass sehende Augen lenken,

die Musen.

Ich hätte jetzt am liebsten meine Hand auf meine Stirn klatschen lassen, so dumm ist das. Aber dann würde ich das Papier ja anders halten. Ich versuche meine Hände nicht zu rühren und präge mir die Richtung des Pfeiles ein. Waldbäume stehen trotzig auf meiner gedanklichen Linie und scheinen mir abwehrend ihre ästigen Hände entgegenzuhalten. Ist das alles, was mir diese bescheuerte Natur entgegenzusetzen hat?

„He ihr da!“, mache ich den Reiter auf mich aufmerksam und trete aus der blättrigen Verborgenheit, „Wie lange muss ich noch bis Berle gehen?“ „Hm, zu Fuß gute sechs Stunden, Lady. Wer bist du eigentlich?“ „Könnt ihr etwas mit dem Begriff Di-plo-mat anfangen?“ „Duplowas?“
Köpfschüttelnd greife ich nach dem klirrenden Beutel und hole zwei kleine violettfarbene Dimanten hervor.
„Siehst du das? Schaut wertvoll aus, oder? Ist es auch, hochkarätig, das heißt sehr sehr wertvoll. Für dein Pferd und eine gute Karte gehören sie dir.“
Der Mann scheint gar nicht aus seinem Staunen heraus zu kommen, als er mir mit den Kostbarkeiten in der Tasche aufs Pferd hilft.
„Bist du denn schon überhaupt mal geritten?“, werd ich gefragt.
„Nein“, muss ich gestehen, „Aber so kompliziert kann dieses Tier doch nicht sein.“
„Du.. Ihr solltet auf euch achtgeben, wenn ihr als Frau alleine reist. Hier gibt es gefährliche Tiere. Giftschlangen und anderes unangenehmes Getier.“
„Dümmer als die Wölfe werden die wohl kaum sein“, murmel ich noch während ich dem Ross auf meine Art klar mache, dass es gefälligst laufen soll. Nach einer Weile geht dem Wieherer das Ziehen an den Ohren auf den Keks und die gezückten Fingernägel weiß es auch nicht so gern an der Stirn. Und es geht los in die Stadt im Land des Nirgendwo...


28.05.1801

Ungeliebtes Tagebuch,
Nie hätte ich mir auch nur im Traum vorgestellt, mich tagelang um ein Pferd zu kümmern, aber so war es leider gekommen. Dazu musste ich lernen dass allzu viel Freundlichkeit meist fehl am Platz ist.
Kaum trabte eine Stunde ich mit dem guten Tier, musste ich feststellen, dass dieses wohl nicht das neueste Baujahr war. Jedenfalls schnaufte es entsetzlich und weigerte sich, sich von der Stelle zu rühren. Das Viech die paar Meilen hinter mir herzuziehen hat schon einige Zeit in Anspruch genommen. Ehrlich gesagt wäre es da am einfachsten gewesen, das Tier einfach am Wegesrand liegen und meinetwegen sterben zu lassen. Aber das kam mir so dumm vor. Da ich mit der Wolke Aasgeier, die uns stets zu umkreisen pflegte, eine offiziell Feindschaft geschlosse hatte (wozu es bei mir lediglich reicht, in meinen Augen dumm zu sein) hatte ich mir geschworen diesen Biestern nichts gutes zu tun. Leider gehörten auch frische Pferdekadaver dazu. Das mag zwar absurd stur klingen erschien mir aber sehr richtig. Dazu wäre es nur schade um den Diamanten gewesen, den mich dieser nutzlose Vierbeiner gekostet hatte. So schliff ich das kranke Tier bis zum nächsten Trottel, der in meinen Augen was mit Pferden anfangen konnte. Ich versprach ihm einen kleinen Diamanten, wenn er mir sagte, was dem Huftier fehlte.

„Was dem Gaul fehlt? Disziplin!“, meinte der Mann, verpasste dem scheinbar kranken Tier einen guten Tritt woraufhin es quicklebendig auf die Beine sprang. Zur Strafe setzte ich es aus. Ja, jetzt lebe du ohne Herren der dich schützt! Begegne mir meinetwegen ein paar Wölfen! Das Ross schien davon nur wenig wissen zu wollen und galoppierte glücklich in die Freiheit.

Wo ich gerade dabei war, fragte ich den Bewohner dieser Hüttenansammlung wie weit es nochmal nach Berle sei. Zu meiner Verwunderung befand ich mich bereits an meinem Ziel und hatte das nicht einmal gemerkt. Ich hatte mir nur unter Hauptstadt....etwas größeres vorgestellt.
Noch während ich letzte durch Hufe aufgescheuchte Staubwolken am Horizont verfliegen sehe, nähert sich mir ein auffallend gekleideter junger Herr mitte 20, auffallend dadurch dass sein Aufzug halbwegs lausfrei ausschaut und diesen Morgen nicht von irgendwelchen Kühen gekaut und verdaut worden scheint. Ein vornehmer schwarzer Anzug der dem Mensch darunter etwas zu groß geraten ist. Anscheinend hatte er das erstbeste genommen, das nicht ein paar Generationen Bauern getragen wurde. Der Gelehrte stellt sich mir als Lismar Kreiber, Diplomat Castell-Burgiens vor und will mir erst einige Fragen stellen, bevor er mit mir zusammen auf einem lupercanischen Schiff weiterreist. Ein Bauer steht neben ihm und kritzelt das Gespräch mit, das kann ja heiter werden...




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